Aktuelle Pflegesituation in Deutschland

Das Thema Altwerden ist in jedem Kopf fest verankert. Damit einher geht immer auch eine gewisse Angst, was werden wird, wenn man alt und pflegebedürftig ist. Aufgrund der immer besser werdenden medizinischen Möglichkeiten heutzutage wird die Bevölkerung immer älter. Es ist eine Tatsache, dass mit dem steigenden Alter auch das Pflegerisiko wächst. In der heutigen Zeit sind über zwei Millionen Menschen auf Pflege angewiesen, die Tendenz steigt stetig. Erreicht man heute ein höheres Alter, liegt das Risiko, ein Pflegefall zu werden, bei mehr als 50 Prozent.

Wer gilt als pflegebedürftig?

Auf Pflege angewiesen sind Menschen, die aufgrund einer Erkrankung nicht mehr in der Lage sind sich selbstständig um sich selbst zu kümmern. Die Krankheiten können dabei geistiger, körperlicher oder seelischer Natur sein. Als besonders pflegebedürftig gelten ältere Menschen mit Demenz, da diese den Alltag kaum bis gar nicht mehr allein bewältigen können und dringend auf Hilfe angewiesen sind. In Deutschland gibt es insgesamt vier Pflegestufen, die die Pflegebedürftigkeit klassifizieren. Diese Pflegestufen legt der medizinische Dienst fest. Anhand der Pflegestufe und der jeweiligen Bedürftigkeit werden im Anschluss die Pflegeleistungen erbracht, welche notwendig sind. Als wichtigste Pflegeleistung gilt die Unterstützung und Betreuung von Pflegekräften. In Deutschland gibt es die Pflegestufe 1 (erhebliche Pflegebedürftigkeit), Pflegestufe 2 (Schwerpflegebedürftigkeit), Pflegestufe 3 (Schwerstpflegebedürftigkeit) sowie Pflegestufe 0. Patienten mit Pflegestufe 0 können ihren Alltag in der Regel nicht selbstständig führen, haben aber keinen oder kaum Pflegebedarf. Dazu gehören zum Beispiel Demenzkranke oder psychisch Erkrankte. Im Januar 2013 wurde ein neues Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz erlassen, welches den Anspruch auf Pflegegeld und entsprechende Leistungen auch in der Pflegestufe 0 gewährleistet.

Defizite in der aktuellen Pflegesituation

Es ist kein Geheimnis, dass die momentane Pflegesituation in Deutschland große Lücken aufweist und zum Teil an Qualität verloren hat. In aktuellen Berichten und Tests über die Qualität der Pflege in der heutigen Zeit wurden mehrere Missstände aufgedeckt, mit denen sowohl Pflegepersonal als auch Pflegebedürftige und deren Angehörige zu kämpfen haben. Die Pflegekräfte arbeiten oftmals unter Zeitdruck und die Bedürfnisse der Patienten können nicht oder kaum vollständig abgedeckt werden. Der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) stellt im aktuellen Pflegequalitätsbericht fest, dass nahezu jeder dritte Patient nicht genügend versorgt und gepflegt wird. Festgestellt wurden die Mängel anhand von Meinungen der Patienten, der Betreuten sowie von Untersuchungen des Pflegezustands, der Abläufe sowie der fachlichen Arbeit und des Wissens der Pflegekräfte. In den letzten Jahren wurden dennoch Anstrengungen und Verbesserungen der Qualität von Pflegeeinrichtungen bemerkt, sodass sich die Situation tendenziell verbessern kann.

Personalmangel in der Pflege

Der Beruf des Altenpflegers ist nach wie vor nicht gerade beliebt. Das liegt vor allem an der körperlichen und psychischen Belastung, die der Beruf mit sich bringt. Aber auch schlechte Bezahlung und familienunfreundliche Arbeitszeiten sowie Schichtdienste sind Auslöser für den Personalmangel auf dem Gebiet der Pflege. Der Mangel an Pflegekräften wirkt sich größtenteils auf die Patienten aus, da meistens Zeitmangel an der Tagesordnung ist. Die Patienten erfahren kaum Gespräche oder Angebote für die Freizeitgestaltung, weil niemand vom Personal Zeit hat, sich darum zu kümmern. Während das Pflegepersonal überfordert ist, ist die Psyche der Patienten unterfordert. Es muss dringend eine Lösung für das Problem gefunden werden, eben weil die Bevölkerung immer älter und die Pflege somit immer wichtiger wird.

Wie sieht die Pflegesituation in der Zukunft aus?

Das Thema einer angepassten und ausreichenden Pflege für Bedürftige ist immer aktuell und es wird stetig daran gearbeitet, die Situation zu verbessern. Das ist auch notwendig, da die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren statistisch gesehen steigen wird. Bisher sind nur Ansätze von Verbesserungen erkennbar. In der Politik wird das Thema immer wieder diskutiert und es werden Versuche gestartet, der Situation gerecht zu werden, etwa durch spezielle Reformen. Wichtig ist, dass der Beruf des Pflegers wieder attraktiver wird, beispielsweise durch mehr Zeitflexibilität oder ein besseres Gehalt. Im Fokus sollten immer die Pflegebedürftigen und deren Angehörige stehen, aber auch die Situation der Pflegekräfte darf nicht außer Acht gelassen werden.